Unser Stromer
In meinem letzten Artikel habe ich erzählt, warum ich nach den ersten Erfahrungen weiter elektrisch fahre, aber das definitiv nicht mit einem Tesla tun werde. Aber was ist es denn nun geworden? Das verrate ich heute.
Zunächst muss ich etwas ausholen. Ich fahre seit fast 30 Jahren – mit ein paar Unterbrechungen – BMW. Und ich fahre meine Autos in der Regel recht lange. Die Unterbrechungen kamen zustande, weil zweimal BMW nicht das anbieten konnte, was ich gerade brauchte.
So bin ich zwischendurch drei Jahre einen Hyundai i40 gefahren und – wie schon beschrieben – für ein halbes Jahr ein Tesla Model Y.
BMW hatte im letzten Jahr schlichtweg nichts brauchbares elektrisches im Sortiment. Ja, einige Modelle gab und gibt es, aber zum einen mit einer absolut inakzeptablen Wartezeit von weit über einem Jahr, zum anderen zum Großteil nur als elektrifizierte Verbrenner. Und da geht dann eben ein Teil der Vorteile der E-Mobilität verloren, Stichwort Kardantunnel. Eine Schande, was BMW aus dem Vorsprung in der E-Mobilität gemacht hat, den man sich mit i3 und i8 erarbeitet hatte.
Als klar wurde, dass das mit dem Tesla nix wird, habe ich Anfang diesen Jahres noch einmal bei BMW geschaut. Beim i4 gingen die Lieferzeiten langsam zurück und das Auto kam meinen Vorstellungen eigentlich recht nahe. Ja, er hat auch den oben erwähnten Tunnel, ist aber ansonsten ein schönes Auto mit sehr guter Reichweite. Problem: Die Bodenfreiheit. Meine Grundstückszufahrt ist relativ steil, kommt er da drüber? Könnte wegen des langen Radstandes zumindest knapp werden.
Im Mai tauchten endlich die ersten Vorführmodelle bei den Händlern auf, da kann man sich das Auto ja mal aus der Nähe anschauen. Die Probefahrt war eine gute Entscheidung, denn am Ende war klar, dass es der i4 nicht wird. Schuld ist der Tesla. Ich hatte mich an die höhere Sitzposition gewöhnt und im i4 sitzt man schon sehr weit unten. Ich bin ja nun auch nicht mehr der Jüngste und hatte echte Probleme beim Ein- und Aussteigen.
Der Händler hatte tatsächlich das gesamte elektrische SUV-Sortiment vor Ort und so konnten wir im iX, im iX1 und im iX3 Platz nehmen. In der Reihenfolge. Dem iX1 fehlt es an Zugkraft für unseren Campinganhänger. Und wenn man im iX und im iX1 gesessen hat, hat man beim iX3 das Gefühl, das Autohaus gewechselt zu haben. Das ganze Cockpit mutet altbacken und billig an. Ist das ein BMW? Ja, er ist (als X3) nur schon ein paar Tage auf dem Markt.
Blieb der iX. Um es vorweg zu nehmen: Ein in jeder Hinsicht tolles Auto. Und er hat auch keinen Kardantunnel ;-)
Ab diesem Zeitpunkt zeigte das Autohaus, wie man es nicht macht. Denn der im Showroom ausgestellte iX, der ziemlich passend ausgestattet war und den wir genommen hätten, stellte sich plötzlich als bereits vor einigen Tagen verkauft heraus. Dass ein verkauftes Fahrzeug im Showroom unverschlossen steht und dass jeder Besucher darin rumklettern kann, kenne ich von BMW nicht. In der Regel ist das Fahrzeug zumindest verschlossen. Das würde ich als Käufer voraussetzen.
Ein paar Tage später konnten wir einen Vorführ-iX probefahren. Leider wird der Vorführwagen vom Autohaus-Chef im Alltagsbetrieb gefahren und der gibt sich offensichtlich wenig Mühe, Autos, die später noch verkauft werden sollen, irgendwie pfleglich zu behandeln. Das Fahrzeug war innen ganz schön runtergeranzt, die aufgrund vorheriger Fahrten berechnete Reichweite zeigte einen – vorsichtig ausgedrückt – sportlichen Fahrstil.
Vor der Probefahrt stand zur Debatte, das „Chef-Fahrzeug“ zu übernehmen. Nach der Probefahrt und dem Wissen um den Zustand des iX war für uns das Thema bereits vom Tisch, aber der Verkäufer setzte noch einen drauf und erhöhte den vorher genannten Preis noch einmal um 5.000 EUR. Nachdem wir das Haus bereits verlassen hatten, bekam ich noch einen Anruf, dass man doch den zuerst genannten, niedrigeren Preis verlangt.
Ich fragte nach der Lieferzeit einer Neubestellung und bekam den November genannt – frühestens. Unser Auto-Abo lief im Juli aus. Vier oder fünf Monate inkl. Urlaubszeit ohne Auto? Schwierig. Und ehrlich gesagt wollte ich bei diesem Händler auch gar kein Auto mehr kaufen. Nach ein paar Telefonaten konnte er immerhin einen Produktionsslot Anfang August reservieren, dann wäre das Fahrzeug Ende August abholbereit. Schon besser.
Aber wir hatten bereits etwas besseres gefunden. Die Autowelt Schmidt in Hamm hatte eine ganze Reihe iX-Neuwagen auf dem Hof stehen. Grund war ein Jubiläum des Autohauses mit großer Feier, bei der man schließlich auch etwas anbieten wollte. Deshalb gab es viele Bestandsfahrzeuge, deshalb gab es sehr gute Preise. In Hamm stand „unser“ iX.
BMW iX xDrive40, Aventurinrot. Fast exakt unsere Wunschausstattung. Sofort verfügbar und das zu einem wirklich attraktiven Preis. Erheblich günstiger, als der Preis, den unser Händler aufgerufen hatte. Ok, etwa 450km entfernt, aber das war es uns wert.
Der erste Kontakt mit Herrn Bal erfolgte per Mail, dann per Telefon und schließlich haben wir uns das Auto schon einmal per Videotelefonat anschauen können.
Ein paar Tage später, an einem Mittwoch, waren wir vor Ort, konnten unseren „Dicken“ live sehen und letzte Details klären. Der Kaufvertrag wurde unterschrieben, die Zahlungsmodalitäten geklärt und mit den Fahrzeugpapieren in der Tasche ging es zurück nach Hause. Mit etwas Glück hatten wir einen Termin bei der Zulassungsstelle für Freitag ergattert und am Sonnabend ging es erneut nach Hamm und mit unserem neuen BMW iX wieder nachhause. So schnell hatte ich noch kein Auto gekauft.
Das ist nun etwa drei Monate her und wir haben den Kauf noch nicht eine Sekunde bereut. Er hat jetzt knapp 10.000km auf der Uhr und wir haben jeden einzelnen Kilometer genossen. Die Hündin auf der für Ihre Ansprüche perfekt geformten Rückbank kann in Ruhe schlafen, weil nichts dröhnt oder vibriert. Und wir freuen uns über den Platz, die Ruhe während der Fahrt, die Power, das Fahrgefühl.
Die erste Fahrt mit Camping-Anhänger haben wir auch hinter uns, darüber berichte ich im nächsten Artikel.