eSüdfrankreich 2.0.2
Wie im ersten Teil beschrieben sind wir im Hotel Navas in Moureze. Zunächst heißt es ankommen und Füße hochlegen. Denn auch wenn elektrisches Fahren durchaus entspannter ist als Verbrennerfahren, ist die dreitägige Reise trotzdem anstrengender als Urlaub auf der Sonnenliege.
In diesem Hotel gibt es zwar keine Minibar, aber die Gäste haben jederzeit Zugang zu einem Kühlschrank in der Küche des Hauses, wo man seine Dinge unterbringen kann. Wir hatten das Glück, diesmal im "Studio" zu wohnen, das sogar eine eigene Küche hat. So konnten wir den frisch erworbenen Ziegenkäse aus Lys, den Cremant aus Ige und das Hundefutter für Lotta direkt in unserem eigenen Kühlschrank verstauen. Den Abend lassen wir bei Baguette und Wein auf der Terrasse ausklingen.
Am nächsten Morgen suchen wir einen Platz für einen ausgiebigen Hundespaziergang und werden zwischen Weinfeldern fündig. Viel mehr findet an diesem und dem nächsten Tag nicht statt. Wir erkunden ein wenig die Gegend und besorgen uns unterwegs etwas zu Essen. Da es hier ja auch um E-Mobilität geht: Wir machen auch einen Ladestopp. In Clermont-l'Herault vor einem Baumarkt steht eine Ladesäule mit zwei HPC- und einem AC-Anschluss. Hier müssen wir kurz warten. Der eine HPC-Anschluss ist defekt, der andere belegt. Ein Blick auf den Bildschirm zeigt, dass das andere Fahrzeug zu 77% geladen ist. Hat der Besitzer die 80%-Empfehlung eingestellt? Tatsächlich schaltet sich die Säule pünktlich bei 80% Ladezustand ab und nur wenige Sekunden später taucht der Besitzer auf und macht die Säule frei. Läuft.
Am dritten Tag haben wir einen Tagesausflug nach Saint-Tropez geplant. Etwas mehr als 300km quer durch die Provence. Wer hier wie im Fernsehen kilometerweite Lavendelfelder erwartet, wird enttäuscht. Wir haben nicht einen einzigen Lavendel gesehen. Muss wohl woanders sein. Gesehen haben wir aber Saint-Tropez bzw. einen Teil davon in der Hafengegend. Ein paar größere Yachten, ein paar kleinere Boote, aber nichts wirklich ungewöhnliches. Vielleicht bleiben wir hier mal über Nacht, um mehr Zeit zu haben, den Ort zu erkunden.
So ging es für uns am frühen Nachmittag wieder zurück, zunächst ein bisschen dichter an der Küste entlang, kurz vor Marseille hieß es dann aber doch wieder "ab auf die Autobahn". Schließlich wollten wir noch irgendwann wieder im Hotel aufschlagen.
Der Folgetag gehört der Mittelmeerküste. Wir bewundern den riesigen, wetterbedingt fast menschenleeren Strand von Port La Nouvelle. Wir hätten uns hier gern ein wenig länger aufgehalten, aber dieses Schild hat das verhindert. Wir können doch nicht ohne Lotta...?!
Also geht es für uns weiter zu den Salinen von La Palme. Im Shop gibt es neben Salz auch lokales Bier. Wir nehmen von jeder Sorte eine Flasche mit, dazu Wein und einige weitere kleine Spezialitäten. Flamingos sehen wir diesmal nicht. Da es aber recht windig ist, können wir zahlreichen Kitesurfern zusehen, bevor es für uns an der Mittelmeerküste entlang weiter geht. Eher zufällig finden wir eine bekannte Ladestation wieder: Am Rande von Narbonne erkennen wir ein Gewerbegebiet wieder, in dem wir bei unserer letzten Reise geladen haben. Proviridis betreibt hier eine Gas-Tankstelle und Ladesäulen. Wir laden spontan, weil hier im Vorjahr alles so gut geklappt hat. Leichte Anfahrt, schnelles Laden. Anschließend geht es mit gemütlicher Fahrt zurück nach Moureze.
Am Folgetag besucht wir Loudeve, ein kleines Örtchen in der Nähe. Wie schon in unserem vorherigen Reisebericht beschrieben, bekommt man, wenn man denn möchte, zum Frühstück im Hotel Navas kostenfreie Ausflugstipps. Loudeve war einer davon. Es ist Sonntag, aber das heißt nicht, dass alles geschlossen ist. In der Boulangerie Le Fournil De Celestin erhalten wir frisch gebackenes Baguette und Croissants. Der deutlichste Unterschied zwischen einem französischen echten Croissant und dem was man ein deutsche Bäcker als Croissant verkauft, ist die Möglichkeit, ein französisches Croissant im Auto essen zu können ohne anschließend den gesamten Innenraum aussagen zu müssen, weil es außen weich ist und nicht beim Reinbeißen zerfällt. Und es sieht einfach leckerer aus.
Von Loudeve zurück nach Moureze nehmen wir einen kleinen Umweg über Gignac und entdecken an der Landstraße zwischen Saint-Andre-de-Sangonis und Ceyras den Pflanzenmarkt Les Serres de Saint-André. Auch der hat (natürlich) am Sonntag geöffnet. Eine halbe Stunde später kehren wir mit einem vollen Einkaufswagen zum Auto zurück.
Die Herausforderung ist es nicht vorrangig, wie wir die Pflanzen "bei Laune halten" bis sie bei uns zuhause ankommen, schließlich sind wir noch ein paar Tage hier. Vielmehr stellt sich die Frage, wo wir sie im Auto unterbringen, wenn unser ganzes Gepäck nicht mehr im Hotelzimmer, sondern im Auto ist. Es ist also mal wieder Tetris gefragt. Und es sollte auch nicht unser letzter Besuch in diesem wunderschönen Laden sein. Am Ende werden etwa 15 Pflanzen von Frankreich nach Deutschland umgesiedelt. Alle Pflanzen haben es schadlos überstanden und wir mussten auch kein Gepäck irgendwo zurücklassen. Denn auch wenn man denkt, das Auto ist voll, findet sich noch irgendwo eine Ecke, die exakt groß genug ist, um noch etwas unter zu bringen.
Unseren letzten Tag in Moureze nutzen wir noch einmal für Ausflüge in die Gegend. Neben dem zweiten Besuch im Pflanzenmarkt laden wir am Tesla Supercharger Le Bosc an der A75 und besuchen idyllische kleine Dörfer wie Le Man de Carles. Außerdem umrunden wir den Lac du Salagou - mit dem Auto natürlich. Für unsere Verhältnisse ist er für einen Fußmarsch zu groß.
Und damit geht unser Aufenthalt in Okzitanien leider auch schon wieder zu Ende. Im dritten Teil unseres Reiseberichts fahren wir zurück ins Burgund und verbringen dort noch ein paar Tage in einem Ferienhaus, bevor es wieder zurück nach Hause geht.