eSüdfrankreich 2.0.1

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Im letzten Herbst waren wir mit unserem vollelektrischen BMW iX in Barcelona. Trotz der Zweifel eines SPIEGEL-Redakteurs und der Warnungen des ADAC. Wir haben das in unserem Mehrteiler "Elektrisch nach Barcelona" ausführlich beschrieben.

Die Region Okzitanien im Süden Frankreichs hatte es uns besonders angetan, sodass wir beschlossen, im Mai 2024 noch einmal dorthin zu fahren.

Nach der in dieser Hinsicht problemlosen Reise im Herbst spielte das Thema E-Auto bei der Planung kaum eine Rolle. Nur in einem Punkt mussten wir ein wenig umplanen. BMW Charging hat seit Februar 2024 eine "Ladevorgangsgebühr". Man zahlt also eine Zusatzgebühr dafür, dass man lädt. Während wohl niemand auf die Idee käme, fürs Tanken oder den Einkauf beim Bäcker eine Gebühr zu erheben, ist beim E-Auto-Laden offensichtlich nichts absurd genug, um nicht von jemandem eingeführt zu werden. Also haben wir uns ein wenig umgeschaut, welche Anbieter insbesondere für Frankreich empfehlenswert sind. Das Ergebnis ist recht einfach: IONITY. Wir hatten bei unserer ersten Reise deren Ladesäulen bevorzugt. War es anfangs der beste Preis, haben wir schnell festgestellt, dass bei IONITY alles völlig problemlos funktioniert und die Säulen an für uns günstigen Standorten stehen. Also haben wir einen IONITY Passport Tarif gebucht, der auch weiterhin einen der besten kWh-Preise bietet.

Daneben hatten wir Ladekarten von unserem Stromanbieter Lichtblick, EnBW und BMW Charging dabei. Lichtblick war mehr oder weniger unbrauchbar, da fast nur AC-Säulen zugelassen sind. Die anderen beiden waren in Frankreich preislich so unattraktiv, dass an jeder einzelnen Ladesäule das Adhoc-Laden mit Kreditkarte günstiger gewesen wäre. Übrigens: Immer öfter findet man in Frankreich die Adhoc-Preise an großen Anzeigetafeln, ähnlich der Preisanzeige an Tankstellen.

Außerdem haben wir Tesla Supercharger genutzt, die in der Regel technisch problemlos funktionieren (App-Steuerung), oftmals in Autobahnähe liegen und preislich ebenfalls sehr attraktiv sind.

Was man in Frankreich immer wieder sieht: Leere Tankstellen neben vollen Ladesäulen. Wir wollen da nicht zuviel reininterpretieren, aber bei Literpreisen von weit über 2 Euro für Benzin und Diesel und ca. 40 Cent pro kWh Strom könnte der Betriebskostenpunkt für einige Franzosen vielleicht relevant sein. Belegte Ladesäulen ... ... leere Tankstelle

Los ging's am 25. Mai. Erstes Ziel? Hatten wir nicht. Eigentlich sollte es diesmal über Holland gehen, aber netterweise teilte uns das gebuchte Hotel am Vorabend des Aufenthaltes mit, dass wir nicht kommen dürfen. Aus technischen Gründen. Lassen wir mal unkommentiert. Also beschlossen wir, einfach loszufahren. Wir fütterten das Navi mit dem Ziel des zweiten Tages und wollten ungefähr nach der Hälfte der Strecke schauen, ob wir ein Hotel finden. Wir stoppen dreimal bei IONITY an der A7: Am Rasthof Brunautal, an der Rastanlage Harz West und am Autohof Homberg. Bei letzterem stehen die Ladesäulen direkt neben einem "Roatel", einem SB-Container-Hotel. Es gibt sechs (?) Einzelzimmer mit Dusche, den Bewertungen nach ist es sehr sauber, leider sind keine Hunde zugelassen, sonst wäre das direkt eine Option gewesen. Wir schauen uns während des Ladens nach Hotels in der Gegend um und entscheiden uns am Ende für ein altbekanntes, wenn auch etwas weiter entferntes. Wir nächtigten wieder im Bellevue nahe Marburg.

Tag zwei beginnt mit der kurzen Strecke zu EnBW in Linden. Wir laden nur soviel, dass es bis zur nächsten IONITY-Säule in Kaiserslautern reicht. Dort laden wir das Auto auf 80%, nebenan ist ein ganz netter Diner für die Verpflegung. Kurz hinter Saarbrücken ist kurze Mittagspause an der A6. Das Auto lädt nebenbei bei EnBW. Dann geht es nach Frankreich.

Wie schon bei unserer vergangenen Reise sind wir begeistert von der Dichte der Ladepunkte. Mag sein, dass auf 100 Strassen-km gerechnet die Dichte in Frankreich niedriger ist als in Deutschland, das will zumindest der ADAC ermittelt haben. Aber die Ladepunkte sind einfach besser verteilt. Was nützt ein riesiger Ladepark mit 50 oder 100 Ladesäulen? Der ist sicher gut für die Statistik, aber in der Praxis sind wenige Ladepunkte in kurzem Abstand einfach sinnvoller. Deshalb ist es immer wieder eine Freude, dass an jedem Rasthof in Frankreich ein Schnellader steht. Und die Rasthöfe sind in viel kürzeren Abständen als wir es hierzulande kennen. Wenn also tatsächlich mal ein Ladepunkt nicht funktionieren sollte oder belegt ist (was wir nicht ein einziges Mal hatten), dann fährt man eben noch 20km weiter zum nächsten Rasthof. Soviel Restreichweite sollte man gerade noch im Akku haben. Und bevor die Diesel-Enthusiasten den Zeigefinger heben: Ihr kommt auch nicht mit 20km Restreichweite an der Tankstelle an.

Wir laden noch einmal bei IONITY in Frouard an einem Einkaufszentrum, was am Sonntag natürlich nur wenig besucht ist. McDonalds, Burger King und eine Pizzeria haben geöffnet. Übrigens gibt es bei McDonalds in Frankreich einen Wrap mit Ziegenkäse und die Wraps generell in zwei Größen.

Nach dem Laden geht es die letzten rund 140km nach Luxeuil-les-Bains ins Hotel Le Clos Rebillotte. Auch hier waren wir schon im letzten Jahr. Den AC-Lader auf dem Casino-Parkplatz nutzen wir auch diesmal nicht, das Auto ist noch gut gefüllt. Offensichtlich trifft sich hier ein Porsche-911-Club, der ganze Parkplatz steht voller 911er verschiedener Generationen. enter image description here

Tag drei führt uns ins Burgund. Ziel ist wieder das Hotel La Montagne de Brancion, hoch oben über den Weinbergen. Uns wurde versichert, dass der neue Koch sein Handwerk deutlich besser versteht als der im vergangenen Jahr, das wollen wir natürlich testen. Während unseres Restaurantaufenthaltes wirft uns die Chefin immer wieder verstohlen neugierige Blicke zu und ist am Ende so glücklich wie wir: Das Essen ist wieder fantastisch. Und so können wir dieses Hotel mit seiner wunderbaren Lage, der absoluten Ruhe und dem traumhaften Ausblick aus allen Zimmern nun wieder uneingeschränkt empfehlen. Die Trauben auf den umliegenden Weinbergen sind natürlich um diese Jahreszeit noch sehr klein. Abendessen Wein im Mai

Wir nutzen den Tag in der Gegend auch zum Shopping. Bei La Rochere gibt es wunderbare Dinge aus Glas. Wir laden bei der IONITY Station in Longvic. Die Station steht neben mehreren ziemlich heruntergekommenen Hotels, alles wirkt wie eine Baustelle, obwohl niemand baut und es gibt nichts, aber auch wirklich gar nichts, was man während des Ladens tun könnte. Keine Verpflegungsmöglichkeit, nichts zum Shoppen. Nicht einmal eine Wiese für den Hund gibt es. Also wenn man hier lädt, muss man sich eine Beschäftigung mitbringen. Oder den Autofahrern im Kreisverkehr zuschauen.

Da das Auto noch ziemlich gut geladen ist, könnten wir am nächsten Morgen eigentlich direkt bei Macon auf die Autobahn. Aber zwei Sachen wollen vorher unbedingt erledigt werden: Zunächst gehts nach Lys zur Ziegenfarm Chèvrerie la Trufière. Hier gibt es wunderbaren Ziegenkäse und was man sonst noch alles aus Ziegenmilch herstellen kann. Die Tiere kann man direkt nebenan bestaunen. Bei den Vignerons de Igé füllen wir unseren Weinbestand so weit auf, dass es für den Urlaub reicht. Dann stolpern wir über eine an sich gute Funktion des BMW-Navis. Nach der Zieleingabe wird die beste Route angezeigt - und zwei Alternativrouten. Eigentlich führt der beste Weg zu unserem Endziel in Moureze über die A7 und die A9. Aber diese Strecke führt eben durch Lyon und wir haben es in drei Versuchen nicht einmal geschafft, diese Stadt ohne mehrstündigen Stau zu durchqueren. Deshalb haben wir im letzten Jahr die Route über die A89 und A75 über Clermont-Ferrand gewählt. Die Strecke ist zwar weiter, aber landschaftlich deutlich reizvoller und sie kostet weniger Maut.

Apropos Maut: Wir haben diese kleine maut1-Box im Auto. Eine gute Entscheidung, denn man kann die für "Telepagé" reservierten Spuren verwenden und einfach durch die Mautstation rollen. Kein Kleingeld, keine Kreditkarte, kein Ticket, was man am Ende der Mautstrecke nicht wiederfindet. Auch bei der neuen elektronischen Maut auf der A79 ist das Gerät sehr praktisch, weil man nicht zur Raststätte fahren muss, um die Maut zu bezahlen. Ja, die kleine Box kostet einmalig etwas, dazu kommt eine Jahresgebühr und auch bei den einzelnen Mautgebühren wird eine Servicegebühr aufgeschlagen. Aber das hält sich im Rahmen und der zusätzliche Komfort war es uns wert. Gibts bei maut1.de. Dies ist kein Werbelink, wir bekommen auch keine Provision. Maut1 Box

Die Route über Clermont-Ferrand wurde uns auch als Alternative vorgeschlagen. Und als dritte Variante erschien die Route über die A432, A43 und die A48 bis kurz vor Grenoble und dann über die A49 nach Valence. Irgendwie muss ich mich wohl verdrückt haben und ich hab wohl auch sonst nicht so genau aufgepasst, jedenfalls bewegten wir uns plötzlich Richtung Alpen. Ich muss sagen: Diese Strecke ist auch sehr schön, kurz vor Grenoble hat man einen traumhaften Panorama-Blick über die französischen Alpen, der allein für den kleinen Umweg entschädigt. Und wenn man bergab fährt, hat man den hübschen Effekt, dass man kilometerweit eine steigende Reichweite beobachten kann. Da fährt man 25km Autobahn und hat am Ende 18 km mehr Reichweite als am Anfang. Natürlich gleicht sich das Ganze auf der Strecke wieder aus, man ist ja schließlich vorher den Berg auch hochgefahren mit dem passenden Reichweitenverlust.

Wir laden bei IONITY in Mionnay. Ein hübscher Rastplatz mit Aussichtspunkt auf einem Hügel. Wie immer gibt es wahnsinnig viel Platz für LKWs, deren Parkplätze auch hier vom PKW-Parkplatz abgetrennt ist, damit die Fahrer ihre Ruhe haben. Sie wollen ja schließlich häufig einfach nur schlafen. enter image description here

Zwei Stunden später stehen wir bei IONITY auf dem Rastplatz Montélimar bei Valence. Und dann nochmal 10 Minuten in Saint-Aunès am Einkaufszentrum bei IONITY. Auch diese Ladestation kennen wir aus dem Vorjahr. Danach gehts nach Moureze ins Hotel Navas. Wir hatten dieses wunderschöne kleine Hotel im Vorjahr eher zufällig gefunden. Aber es ist auf jeden Fall einen zweiten Besuch wert und diesmal bleiben wir eine ganze Woche. Es liegt in einer wunderschöne Gegend zum Wandern, Radfahren oder einfach nur im Garten oder am Pool des Hotels zu entspannen und die Ruhe zu genießen. Und der Ausblick beim Frühstück ist einfach unschlagbar. enter image description here

Wie wir die Zeit hier verbringen und wie es weiter geht, darum gehts im zweiten Teil dieses Reiseberichts.