Elektrisch nach Barcelona - Teil 4

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Dies ist der vierte Teil unseres Reiseberichts "Elektrisch nach Barcelona". Vorherige Episode verpasst? Dann direkt zu Teil 1, Teil 2 und Teil 3. Diese und weitere Berichte zum elektrischen Fahren gibt es in unserer Rubrik eMobilität.

In den ersten drei Teilen unseres Reiseblogs haben wir es bis nach Millau geschafft. In Teil vier erreichen wir Barcelona und tappen gleich in eine Touristenfalle, die wir eigentlich schon vorher kannten.

Der Morgen startet mit einer weiteren Überquerung des Vaiduc de Millau und einem Stop am Rasthof Larzac. Die Geschäfte sind kurz vor acht noch geschlossen, aber die Kaffee-Automaten sind zugänglich, mehr wollten wir nicht. Außerdem muss der Hund seine Geschäfte erledigen, was im Hotel-Umfeld nicht möglich war. Währenddessen lädt der iX auf 92%. Auf dem Parkplatz des Hotels an der Raststätte steht ein PKW, bei dem über Nacht offensichtlich die Seitenscheibe eingeschlagen wurde. Ich möchte gar nicht wissen, was hier nachts so los ist.

Für uns geht es erstmal wieder auf die Autobahn Richtung Süden, nächster Stop ist der Rasthof Narbonne. Den können wir wirklich jedem empfehlen. Die Ladesäulen von IONITY sind im hinteren Teil dieser parkähnlichen Anlage, man kann an zwei Ladepunkten auch mit Anhänger ohne Abkoppeln laden, man kann mit dem Hund spazieren gehen, es gibt Kinderspielplätze und natürlich kann man shoppen, essen, trinken und sich selbst entleeren. Alles in einer sehr gepflegten und sauberen Atmosphäre.

Rasthof Narbonne

Wir bleiben eine gute halbe Stunde und laden den iX bis unters Dach, mit 99% Ladung gehts weiter Richtung Spanien.

Ein kurzer Stop bei Endesa in La Jonquera in einer offensichtlich ganz neu errichteten Anlage neben einer Tankstelle bringt uns von 70 auf 80%. Ein Insasse musste einem Bedürfnis nachgehen, das kann man ja nutzen...

Weiter gehts bis Barcelona, in einem Vorort laden wir während einer Verpflegungspause bei IONITY neben einer Tankstelle in 32 Minuten von 28 auf 81% und fahren dann in die Stadt.

Leider stellt sich das als Fehler heraus. Wir erreichen den Hafen, schauen uns dort um und tappen in eine geradezu klassische Touristenfalle. An einer roten Ampel nähert sich einer dieser zahlreichen Roller von hinten rechts. Es macht den Eindruck, als wolle er sich zwischen den Autos durchdrängeln, stellt dann aber fest, dass das nicht geht und bleibt dann doch hinter uns.

Die Ampel wird grün, wir fahren los, weiter auf die Autobahn und bemerken nach einigen Kilometern, dass der Rollerfahrer etwas ganz anderes vorhatte und damit auch erfolgreich war. Die Reifendruckkontrolle meldet einen massiven Druckverlust hinten rechts. Durch die zügige Fahrt auf der Autobahn sind wir noch recht weit gekommen. Wir nehmen eine Abfahrt und steuern eine Tankstelle an. Kurz danach ist der Reifen komplett platt.

Die Masche ist immer gleich: Die Motorroller haben am Vorderrad ein kleines, aber sehr scharfes Messer montiert. Damit wird in den Reifen gestochen, sodass der langsam Luft verliert. Entweder bemerkt es der Fahrer irgendwann und hält an oder freundliche Menschen weisen ihn darauf hin. Diese "freundlichen" Menschen sind sofort zur Stelle, sobald das Auto irgendwo anhält. Sie locken alle Mitfahrer aus dem Auto und lenken sie ab, während eine weitere Person das Auto ausräumt. All das hatten wir vorher gelesen, es gibt zahllose Berichte darüber. Und trotzdem ist es uns passiert. Da der Reifen aber sehr langsam Luft verlor und wir nach kurzer Zeit auf der Autobahn waren, konnten man uns mit Motorrollern nicht folgen. Außerdem werden auch in Spanien Tankstellen videoüberwacht, sodass uns dort niemand "helfen" kam.

Der Angestellte der Tankstelle war dagegen ehrlich hilfsbereit. Während wir versuchten, mit dem BMW Kundendienst und der Allianz Versicherung Hilfe zu organisieren, stellte er Kontakt zur Polizei her.

Leider war nichts davon zunächst besonders erfolgreich. BMW teilte mit, dass sie keinen Abschleppdienst organisiert bekommen, es sei ja schließlich Sonntag. Dass das nächste BMW-Autohaus nur ein paar hundert Meter entfernt war, half auch nicht weiter. Man wollte jemanden schicken, der sich den Schaden anschaut, was natürlich auch nicht weiterbringt. Ob dieser jemand jemals kam, wissen wir nicht, in den folgenden zwei Stunden tauchte jedenfalls niemand auf. Die Polizei teilte mit, dass wir selbst zur (3km entfernten) Polizeistation kommen sollten, man könne niemanden schicken. Aufgrund der Aussichtslosigkeit verzichteten wir auf das Thema Polizei. Die Allianz schaffte es immerhin, einen Abschleppdienst zu organisieren. Der kam irgendwann auch, hatte aber keinen Schimmer, wohin er unser Auto bringen sollte. Die Allianz hatte wohl vergessen, ihm die nächstgelegene Partnerwerkstatt zu nennen.

Aber es gibt in Barcelona Reifen-Werkstätten, die 7 Tage die Woche 24 Stunden am Tag geöffnet haben. Wer hätte das gedacht?! Die erste, die wir anfuhren, hatte unsere Reifengröße nicht vorrätig, bei der zweiten wurden wir abgeladen und durften uns auch noch den Schnitt in unserem Reifen anschauen.

Reifenschaden

Eine Stunde später und rund 1.000 EUR ärmer ließen wir uns noch die beste Route aus der Stadt erklären (der Reifenmonteur kannte eine gefahrlose Strecke...) und verließen Barcelona. Unser Hotel Sol i Vi liegt etwas außerhalb.

Fazit für heute: 529km selbst gefahren, dazu einige weitere ohne Stromverbrauch auf einem Abschleppauto. 104,5kWh verbraucht, das entspricht 19,75kWh/100km.

Unsere Reise von Norddeutschland nach Nordspanien ging über insgesamt sechs Tage. Wir haben 2.679km zurück gelegt und dabei rund 549kWh Strom verbraucht, ein Durchschnitt von 20,5kWh/100km. Die Ladetarife waren sehr unterschiedlich, aber im Durchschnitt haben wir wahrscheinlich etwa 50cent pro kWh bezahlt, vermutlich sogar etwas weniger. Die Reise hat uns also an "Treibstoff" etwa 274,50 EUR gekostet. Unser alter Diesel verbraucht 6,5 Liter auf 100km. In Deutschland kostet der Liter Diesel etwa 1,80 EUR, in Frankreich etwa 2,10 EUR. Rechnet man also mit der Mitte, also mit 1,95 EUR pro Liter, hätten wir für 339,56 EUR tanken müssen.

Wir hatten 18 Ladestopps. Halb so viele hätten auch gereicht, aber wir haben nicht dann geladen, wenn es nötig war, sondern meist, weil wir sowieso anhalten wollten oder mussten. Und wie sagte schon YouTuber Ove Kröger: "Steht er, dann lädt er."

Nach unserer Ankunft im Hotel hatten wir genug von Barcelona. Am liebsten wären wir direkt wieder losgefahren, zurück nach Frankreich, wo es uns jeden Tag gefallen hat. Natürlich gibt es diese Reifenstecher auch in Südfrankreich, eigentlich gibt es sie überall, wo sich Touristen rumtreiben. Aber uns hatte es in Barcelona getroffen und der Schreck saß tief.

Ein paar Tage blieben wir dann aber doch in Barcelona oder besser gesagt in der Umgebung von Barcelona. Wir haben gesehen, wie Flüchtlinge und Obdachlose an nahezu jedem Autobahnkreuz in Blechhütten hausen und Flüsse zum Baden und Wäsche waschen nutzen. Wir haben gesehen, wie Menschen bei McDonald´s bis vor die Tür angestanden haben, weil Feiertag war und sonst nichts geöffnet hatte. Wir haben den Circuit de Catalunya besucht und Weinberge durchwandert. Wir haben Restaurants mit schlechtem Service erlebt und die berühmte Weinkellerei Freixenet gesehen. Und irgendwann wollten wir uns langsam wieder auf den Heimweg begeben. An der Stelle geht es im nächsten Post weiter.

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