Elektrisch nach Barcelona - Teil 5

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Dies ist der fünfte Teil unseres Reiseberichts "Elektrisch nach Barcelona". Vorherige Episode verpasst? Dann direkt zu Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4. Diese und weitere Berichte zum elektrischen Fahren gibt es in unserer Rubrik eMobilität.

Wir waren mit unserem vollelektrischen BMW iX in Barcelona. Ja, das geht. In den ersten vier Teilen dieser Serie haben wir berichtet, wie es uns vor, während und am Ende der Reise ergangen ist. Jetzt ist es Zeit, wieder nach Hause zu fahren.

Geografisch gibt es keine andere Möglichkeit, als wieder durch Frankreich zu fahren. Aber das machen wir gern, denn Frankreich zeigt sich als Paradies für E-Mobilität. Nicht nur, dass Benzin und Diesel hier extrem teuer sind. Es gibt an wirklich jeder Autobahnraststätte Schnellader und es gibt erheblich mehr Autobahnraststätten. Reichweitenangst? Gibt es nicht. Schon gar nicht auf der Autobahn. Auf dem Land ist die Dichte der Schnelllader natürlich geringer, aber mit der heute verfügbaren Technik (eingebautes Navigationsgerät, Google Maps, ...) findet man immer eine Möglichkeit in der Nähe.

Das Hotel Sol i Vi verfügt über einen AC-Lader auf dem Parkplatz, sodass wir unsere Rückreise mit vollem Akku beginnen können. Ein weiterer Ladestopp in Spanien ist nicht mehr nötig, wir fahren 207km bis zum Aire du Village Catalane. Wenn man sich diesen Rastplatz von oben anschaut, bekommt man einen Eindruck, warum französische Rastplätze einen so guten Ruf haben: Aire du Village Catalane

Auf der Westseite ein großer LKW-Parkplatz mit Duschen und Toiletten. Auf der Ostseite ein weiterer, nochmal mit Duschen und Toiletten und dann noch ein paar LKW-Stellplätze am östlichen Rand. Davon komplett angegrenzt der "Versorgungsbereich" mit Tankstelle, Ladestationen, Imbiss, Shop, Restaurant und zwei Hotels (eines davon mit großem Pool). Das Ganze parkähnlich angelegt mit reichlich Grünflächen, Spielplätzen und allem, was man brauchen könnte. Selbst für die ansässigen Vögel ist gesorgt, aus einem Hahn tropft Wasser in eine kleine Schale, die Trinkmöglichkeit ist gut besucht.

Wir laden bei IONITY. In 40 Minuten gehts von 28 auf 95%. Währenddessen darf Adriane zwei jungen Französinnen das Laden ihres VW ID.4 erläutern und ich - wie immer - Kaffee holen. Ich fühle mich absolut sicher, zwei Fahrzeuge der Gendarmerie treffen sich auch gerade zur Kaffeepause. Und dann lauschen wir noch einem jungen Paar aus Baden-Württemberg, das offensichtlich mit der (Schwieger-)Mutter verreist ist und gerade gewissen Meinungsverschiedenheiten bezüglich des Fahrers und der weiteren Route ausdiskutiert. Aufgrund der Lautstärke dieser Unterhaltung sind alle Besucher des Rasthofes umfassend informiert, soweit sie badischen Dialekt verstehen.

Für uns geht es weiter nach Norden. Wir verlassen die Autobahn, um uns ein wenig die Gegend anzuschauen. Wir sehen Flamingos und passieren die Saline von La Palme. Salz kaufen wir erst ein paar Tage später, wir bleiben noch eine Weile in der Nähe. In Narbonne laden wir in einem Gewerbegebiet zwischen einem Fleischfabrikanten und einer Gastankstelle. Die Anlage scheint sehr neu zu sein, ist auf dem Satellitenbild von Google Maps auch noch als Wiese zu sehen. Proviridis Narbonne

Ja, ich weiß, dass ich mittig in beiden Stellplätzen stehe. Aber die vordere Ladesäule war sowieso außer Betrieb, worauf ein freundlicher Zettel hinwies. Aber man sieht: Hier könnte man auch hervorragend mit Anhänger laden. Wir füllen noch einmal etwas nach, laden in 15 Minuten von 67 auf 85%, denn unser heutiges Ziel bietet leider (noch) keine hoteleigene Ladestation. Ansonsten aber ist das Hotel "Les hauts de Mourèze" in jeder Hinsicht eine Reise wert. Von der tollen Lage über den freundlichen Empfang und die schönen Zimmer bis zum großen Pool ist einfach alles hervorragend. Das allerbeste ist das Frühstück, das auf einer Terrasse mit diesem Ausblick eingenommen werden kann. Frühstück in Moureze

Übrigens: Das Frühstück kommt komplett ohne den sonst oftmals üblichen Müllberg aus Plastikverpackungen auf dem Tisch aus. Die Marmelade stammt von einer Dame aus dem Dorf und auch alle anderen Produkte kommen aus der Region. Kostenlos dazu gibt es - bei Bedarf - Ausflugstipps. Der Cirque de Moureze ist ein beliebtes Wandergebiet mit ausgeschilderten Routen unterschiedlicher Schwierigkeit und vor allem mit grandiosen Felsformationen.

Das Hotel und die Gegend haben uns dazu bewogen, ein bisschen länger zu bleiben. Wir fahren nochmal nach La Palme zur Saline und besuchen Sète. Wir schauen den Anglern am Fluss Orb in der Stadt Bédarieux zu, während unser Auto lädt. Ein Tesla-Taxi-Fahrer hat uns sogar den DC-Lader freigemacht, am AC-Lader hätte das doch vielleicht etwas zu lange gedauert, auch wenn Angeln ja eher eine Langzeitbeschäftigung ist. Wir decken uns mit französischen Lebensmitteln im Intermarché in Villemagne ein und reisen nach ein paar Tagen weiter in "unser" Burgund-Hotel La Montagne de Brancion

Wir laden bei IONITY in Saint-Aunès an einem Einkaufszentrum. Und hier passiert etwas, was uns in Deutschland monatelang nicht gelungen ist: Adriane findet bei einer französischen Optikerkette die passende Brille. Oder um genau zu sein: ZWEI passende Brillen. Das Ganze ohne aufdringliche "Beratung", ohne Hinweise, was es alles nicht gibt. Der junge Mann hält sich zurück, erkennt, was sie möchte und bietet - absolut dezent - genau die richtigen Modelle an. Und am Ende folgen auf die Frage, was er zu der Auswahl meint, ein breites Lächeln, ein Daumen-hoch und das Wort "Oui". Natürlich schafft er es nicht, innerhalb eines Ladestopps auch noch die passenden Gläser einzubauen. Das müssen wir dann wohl in Deutschland machen. Aber auch Lotta sahnt noch etwas ab: Ein neues Geschirr, inkl. Anprobe, Leckereien und Streicheleinheiten vom Verkäufer.

Das Auto ist auf 99% geladen, die Damen glücklich - es kann weiter gehen. Der nächste Stopp ist knapp vier Stunden später in Saint-Rambert-d'Albon. Hier ist es richtig voll, wir haben Glück, dass bei unserer Ankunft eine Säule frei ist, andere müssen warten. Aber es wird bereits weiter gebaut, die nächsten Säulen stehen schon, sind aber noch in Folie verpackt. IONITY Saint-Rambert-d'Albon

Wir haben den Fehler gemacht, die Route durch Lyon zu wählen. Wir stehen 1 Stunde im Stau vor der letzten Mautstation, weil direkt dahinter ein Unfall ist und brauchen dann weitere drei Stunden durch Lyon. Die Stadt ist bestimmt schön, aber man hat irgendwie keine Lust, sie zu besichtigen. Letzter Stop des Tages ist am Rasthof Aire des Cheres, wieder eine tolle Anlage mit sehr viel Grün und selbst um 17:45 Uhr gibt es noch frisch belegte Baguettes. Das ist unser Abendessen später im Hotel.

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