Elektrisch nach Barcelona - Teil 2
Dies ist der zweite Teil unseres Reiseberichts "Elektrisch nach Barcelona". Anfang verpasst? Dann direkt zu Teil 1. Diese und weitere Berichte zum elektrischen Fahren gibt es in unserer Rubrik eMobilität.
Im ersten Teil unseres Reiseberichts haben wir uns ein wenig mit den Reisevorbereitungen befasst und mit dem, was der ADAC dazu sinnfreies beizutragen hat. Heute nun geht es endlich los.
Wir haben für unsere Reise mehrere Etappen vorgesehen, wollen pro Tag im Schnitt etwa 400km fahren. Natürlich könnte man problemlos auch die doppelte Strecke fahren, aber wir wollen unterwegs und am jeweiligen Zielort auch etwas sehen und nicht nur zum Schlafen anhalten.
Natürlich ist unsere Kleine Münsterländer-Hündin Lotta mit an Bord, Sie ist sehr zufrieden mit ihrem Reiseambiente.
Die erste Etappe ist gleich die längste. Es geht von Mecklenburg bis nach Bonn, 615km einfache Strecke, am Ende sind es ein paar mehr. Abfahrt mit 100% Ladung. Erster Ladestopp ist am Rasthof Gudow an der A24. Nicht, weil es nötig war. Wir wollten hier schauen, ob man auch mit Campinganhänger laden kann, auf der Luftaufnahme bei Google Maps machte es den Eindruck. Fazit: Mit etwas Glück kann es gehen, wenn in den hinter der Ladesäulen gelegenen LKW-Parkspuren Platz ist und die richtige Seite der Ladesäule angefahren werden kann. Eine Menge "wenn", also nicht wirklich belastbar zu empfehlen. Aber wenn wir schonmal hier sind, kann man ja ein wenig Strom nachladen, der Hund hat auch nichts gegen ein paar Schritte. Wir laden 19 Minuten von 56 auf 74%.
Der zweite Stopp hat den gleichen Grund, aber bei IONITY am Rasthof Ostetal an der A1 geht mit Camper gar nichts. Aber auch hier laden wir, 21 Minuten von 42 auf 78%. Die Bildschirme aller Ladesäulen sind ausgefallen, aber Laden geht trotzdem. Einfach anschließen und Ladekarte an den Leser halten. Das Auto teilt mit, dass es lädt. Während unserer Ladezeit stehen vier weitere E-Fahrer vor dem selben Problem, aber man hilft sich und kommt so immer wieder ins Gespräch.
Den dritten Stopp gibt der Appetit auf Eis vor. Wir laden bei EWE Go bei McDonald´s am Hansa Center in Holdorf an der A1. Hier sind alle Parkplätze ziemlich eng und die Ladesäulen deshalb nicht so leicht anzufahren. Aber es ist machbar. Eis holen, Eis essen - währenddessen lädt der iX. Eis alle, 27 Minuten vergangen, geladen von 37 auf 77%. Weiter geht´s.
Den vierten und letzten Zwischenstopp gibt es in Bochum bei Shell in der Herner Straße. Hier treffen wir einen netten Hamburger, der mit einem Mercedes EQE von Sixt unterwegs ist. Neben Probesitzen entwickelt sich ein interessantes Gespräch über E-Mobilität im Unternehmen, über KIA, BMW, Mercedes und Tesla. Wie bei allen diesen kleinen Unterhaltungen an der Ladesäule kann jeder ein paar neue Informationen mitnehmen. Sowas ist mir beim Tanken noch nie passiert ;-)
Wegen des netten Gesprächs stehen wir viel länger als gewollt. Wir laden in 34 Minuten von 28 auf 85%.
Unser erstes Etappenziel ist das V-Hotel in Bonn, ausgestattet mit zwei Tesla Destination Chargern. So kann man über Nacht laden - eine wirklich bequeme Lösung. In Zukunft werden wir wohl verstärkt auf Hotels mit Lademöglichkeit achten. Das V-Hotel ist aber auch sonst ein schönes Hotel. Einziges Manko: Morgens ist die Strasse vor dem Hotel schon sehr voll. Wir beschließen, noch einmal in die City von Bonn zu fahren und stöpseln den iX danach für die Nacht an die Wallbox.
Fazit des ersten Tages: Wir hätten die Strecke von 615km mit zwei Ladestopps bewältigen können, wenn wir nur von A nach B gewollt hätten. Aber wir haben bereits zu Beginn einen kleinen Verpflegungs-Umweg gemacht, zwei Ladestationen auf Camper-Tauglichkeit geprüft, zwischendurch uns und den Hund entleert, selbst etwas gegessen und die Bonner Innenstadt inspiziert. So wurden es am Ende 672km. Wir haben dabei 144 kWh verbraucht, das ergibt im Schnitt 21,4kWh auf 100km. Für einen voll beladenen iX mit viel Autobahnstrecke ein sehr guter Wert. Alle Ladevorgänge wurden mit der BMW Charging Card bezahlt. Bis auf ausgefallene Bildschirme bei IONITY auf dem Rasthof Ostetal gab es keine Beeinträchtigungen.
Am nächsten Morgen starten wir mit einem vollen Akku Richtung Süden. Am Markt in Kelberg finden wir die Bäckerei Schillinger und statten uns mit Kaffee und allerlei Essbarem aus. Bei Schillingers gibt es wirklich gute Sachen, da lohnt sich ein Besuch, wenn man mal in der Gegend ist. Es gibt 9 Filialen im Gebiet westlich von Koblenz.
Weiter gehts Richtung Luxemburg. In Mertert am Einkaufszentrum laden wir bei "PC-Tank". In 27 Minuten gehts von 39 auf 81%. Wir nutzen die Zeit für einen Besuch des Einkaufszentrums. Es gibt wohl einige Dinge, die in Luxemburg günstiger sind als in Deutschland, die deutschen Besucher decken sich vor allem mit Kaffee ein. Aber man kann hier auch das eine oder andere Getränk direkt zu sich nehmen oder auch selbiges entsorgen. Laden war auch hier wieder denkbar einfach.
Der nächste Ladestopp ist bereits in Frankreich - Luxemburg ist einfach zu klein für mehrmals Laden. Wir nutzen kurz den Schnellader von Izivia beim Intermarché in Basse-Ham, um dem Hund ein wenig Auslauf zu gönnen. Hier gibt es eine von zwei Begegnungen mit anderen BMW iX auf unserer Reise. Ein Luxemburger mit seiner Familie ist mit einem ebenso aventurinroten iX unterwegs. Ein kurzer Gruß, ein breites Grinsen - es gibt eben nicht so viele iX in freier Wildbahn. Wir laden von 68 auf 84% in 13 Minuten, Lotta ist zufrieden und Laden ist auch in Frankreich kein Problem.
Diese Aussage erweist sich beim nächsten Stopp als falsch. Wir versuchen es bei Powerdot in Essey-lès-Nancy, wieder an einem Einkaufszentrum. Keine der vier ausprobierten Ladesäulen lässt sich davon überzeugen, ihren Dienst zu tun. Alle melden bereits einen Fehler, bevor ich der Ladesäule überhaupt meine Ladekarte präsentieren darf. Wir geben es auf und meiden für den Rest der Reise die Anlagen von Powerdot.
Kurze Zeit später bei Freshmile in Tomblaine funktioniert alles wieder problemlos und das Vertrauen in die Ladeinfrastruktur ist wieder hergestellt. Wir laden kurz für 11 Minuten von 58 auf 75% und fahren weiter zu unserem heutigen Ziel, dem Hôtel Le Clos Rebillotte à Luxeuil. Das Hotel gehört zu der Casino-Kette JOA und das Casino ist auch gleich nebenan. Zwischen Casino und Hotel ist zudem eine Baustelle. Trotzdem war es ein toller Aufenthalt. Der Parkplatz vor dem Casino füllt sich zwar gegen Abend, aber es ist trotzdem ruhig. Auch am Morgen, als die Bauarbeiten anfingen, bekam man als Hotelgast davon wenig mit. Auf dem Casino-Parkplatz befindet sich ein AC-Lader, den wir aber nicht genutzt haben. Zudem überaus freundliches Personal, ein großes Zimmer und alles, was man für eine Nacht braucht.
Tag zwei hat uns 501km weiter gebracht. Wir haben 104kWh verbraucht, was einem Verbrauch von 20,8 kWh/100km entspricht. Nochmal weniger als am Tag davor, aber auf französischen Autobahnen darf man ja auch nicht so schnell fahren. Zudem haben wir einige Strecken auf Landstrassen bewältigt.
Beim Duft aus dem Frühstücksraum bei unserer Abreise am nächsten Morgen beschließen wir, beim nächsten Besuch das Frühstück zu testen. Für uns ging es aber nur ein paar hundert Meter weiter an den Stadtrand zu einem - na klar - Einkaufszentrum. Der iX bekam Strom bei Lastmile und wir Kaffee und Baguette in einer Filiale der Boulangerie Caput . 38 Minuten dauert es, bis Kaffee und Baguette verspeist sind und der iX von 39 auf 91% geladen ist.
Auf geht's ins Burgund. In diese Gegend haben wir uns bei unserer letzten Reise verliebt, weshalb wir in unserem nächsten Hotel zwei Nächte bleiben werden. Damit wir dort auch viel Zeit haben, fahren wir zunächst nur 255km bis zu unserem heutigen Ziel. Leider hat das Hotel keine Lademöglichkeit. Deshalb gibt es trotz der kurzen Strecke einen Ladestopp. Wir halten am Rastplatz Besançon an der A36. Neben uns steht ein elektrischer Kleinwagen an der Ladesäule. Ein Blick aufs Kennzeichen: Wismar. Da fährt man 1200km nach Frankreich und trifft quasi Nachbarn. Die beiden sind wegen der Rugby-WM in Frankreich. Aber mit dem kleinen Skoda sind sie natürlich nicht die lange Strecke gefahren. Sie haben den Autozug von Hamburg genommen - auch eine Möglichkeit.
Hier laden wir 19 Minuten von 64 auf 87% und kommen gegen Mittag im Hotel La Montagne de Brancion an. Das Hotel liegt auf dem namensgebenden Berg oberhalb des Ortes Martailly-lès-Brancion inmitten von Weinbergen. Man hat von allen Zimmern einen traumhaften Weitblick.
Dazu gibt es einen Außenpool und ein Restaurant. Auf letzteres hatten wir uns besonders gefreut, hatten wir doch vor zwei Jahren wirklich "wie Gott in Frankreich" gegessen. Leider wurden wir dieses Mal enttäuscht. Der Koch von damals war weg und auch unser (italienischer) Kellner von damals war nicht mehr da. Der neue Koch kam nicht einmal annähernd an das Niveau seines Vorgängers heran. Ein anderer Gast nannte die Gerichte "lieblos", das trifft es ganz gut. Keiner der Gäste, die mehrere Tage im Hotel waren, hat ein zweites Mal im Restaurant gegessen.
Aber das Hotel an sich und die Gegend sind immer noch fantastisch. Man kann mit dem Hund durch die Weinberge spazieren, natürlich überall Wein probieren und auch kaufen. Wir empfehlen die Weine des Weingutes LES VIGNERONS D'IGÉ und da besonders den roten Excellence und den weißen Terroirs des Brigands.
Fazit an diesem Tag: 296km, 53,7kWh - Verbrauch 18,1 kWh/100km. Es war viel Landstraße dabei.
Im dritten Teil des Reiseberichts bleiben wir zunächst einen Tag im Burgund, bevor es weiter Richtung Spanien geht.