Elektrisch – aber bitte kein Tesla
Dieser Blog ist ein wenig verwaist, der letzte Beitrag über fünf Jahre her. Zeit, ihm mal wieder ein wenig Leben einzuhauchen.
Mein neues Lieblingsthema ist die Elektromobilität.
Seit Januar 2023 fahre ich elektrisch. Geplant war das bereits im letzten Jahr und es sollte ein Tesla Model Y werden. Da aber Elon Musks Unternehmen prinzipiell Kundenservice nicht unbedingt zu den wichtigsten Themen des Marktauftritts zählen, musste ich nach sieben Monaten Ungewissheit meine Tesla-Bestellung widerrufen. Irgendwann möchte man sein Auto ja auch mal in Empfang nehmen und wenn es niemanden gibt, der dazu eine belastbare Auskunft geben kann und man nur einen per Algorithmus berechneten Liefertermin bekommt, der sich zuweilen mehrmals täglich um Monate in beide Richtungen verschiebt, dann hat man irgendwann genug.
Zum Glück gibt es Auto-Abos und die HUK Autowelt bot Ende 2022 das Tesla Model Y Performance zu einem akzeptablen Preis für sechs Monate an. Es war eine gute Entscheidung, denn so konnte ich das Model Y ein halbes Jahr testen – und für völlig unbrauchbar befinden.
Von Phantombremsungen hat jeder interessierte bereits gehört. Erleben möchte man das nicht. Denn wenn der sogenannte Autopilot auf dem Berliner Ring beschließt, dass die erlaubte Höchstgeschwindigkeit 10 km/h beträgt und dementsprechend eine Vollbremsung hinlegt, macht das wenig Freude. Es war relativ leer und man kann natürlich eingreifen und das Fahrpedal treten, aber für mich ist dieses Auto einfach ein Sicherheitsrisiko.
Dazu kommt das ständige, nicht abstellbare piepen und klingeln, wenn irgendwas ist. Es piept, wenn man den Tempomat („Autopilot“) einschaltet und nochmal, wenn man ihn wieder ausschaltet. Es piept, wenn der Spurhalteassistent eingreift oder wenn Tesla meint, das man auf eine (in der Regel nicht vorhandene) Wand zusteuert. Jedesmal schrecken sämtliche Insassen auf.
Der Spurhalteassistent meldet sich auch sehr gern, wenn man auf einer schmalen Straße ohne Mittelmarkierung fährt. Dann ist es für Tesla bereits höchst kritisch, wenn man sich dem Fahrbahnrand auf etwa 20cm nähert, was man bei Gegenverkehr sinnvollerweise tut. Das geht das Geklingel los, das Lenkrad vibriert und man hat das Gefühl, als würde man kurz vorm Absturz in den Straßengraben stehen.
Kurz bevor das Auto-Abo ablief, durfte ich auch noch in den Genuss des „Vison-only-Einparkassistenten“ kommen. Ein System, dass die millionenfach bewährten Ultraschallsensoren durch kamerabasierte Erkennung von Hindernissen ersetzen soll. Dieses System erkennt ziemlich zuverlässig alle Hindernisse. Nur leider nicht dort, wo sie sind, sondern willkürlich näher dran oder weiter weg. Clevererweise wird die vermeintliche Entfernung zum Hindernis im Display angezeigt. Und wenn man selbst in der Kamera erkennt, dass die Hauswand etwa 10 entfernt ist, Tesla aber 70cm anzeigt, am nächsten Tag schon 20cm vorher behauptet, am Hindernis angekommen zu sein, dann hat man vollstes Vertrauen in die Erkennung. Offensichtlich kommt es darauf an, ob und aus welcher Richtung die Sonne scheint. Einparken mit Tesla also bitte nur bei gleichbleibenden Wetterverhältnissen.
Ebenso große Probleme hat der Einparkassistent mit abschüssigen Strecken wie zum Beispiel Tiefgarageneinfahrten. Vision only behauptet, man fahre auf eine Wand zu und quittiert das alles mit den üblichen Warntönen.
Wenn man wie ich eine Grundstücksausfahrt hat, die nach unten geht und anschließend auf einer Straße ohne Mittelmarkierung seinen Wohnort verlässt, hat man folglich bereits nach wenigen Kilometern keine Lust mehr auf Autofahren, weil man vor lauter Warngebimmel weder eine Unterhaltung führen, noch Musik hören kann.
Ich war froh, als das Auto-Abo ablief und habe den Tesla bereits 3 Wochen früher zurückgegeben. Ich hatte schlicht genug davon.
Aber eines habe ich bemerkt: Elektrisch fahren kann wahnsinnig viel Spaß machen. Klar, die Themen Abgase und Umwelt spielen eine Rolle, das ist alles tausendfach durchgekaut. Auch der Kostengesichtspunkt muss betrachtet werden.
Was aber viel zu selten erwähnt wird: Es ist ein völlig anderes Fahrgefühl! Tritt man auf das „Gaspedal“, entfaltet sich sofort die volle Power. Keine Verzögerung, kein Turboloch, keine Drehmomentkurve. Das schwerste am Auto ist der Akku und der sitzt im Fahrzeugboden. Das sorgt für einen tiefen Schwerpunkt und das Auto liegt wie ein Brett auf der Fahrbahn. Da schwankt auch in schnellen Kurven nichts.
Und die viel beschworene Reichweitenangst? Hatte ich nicht. Zum einen, weil jedes Elektroauto die Restreichweite permanent ziemlich genau anzeigt und man seinen Ladestopp so recht einfach einplanen kann, zum anderen, weil die Ladeinfrastruktur entgegen der landläufigen Meinung von nicht elektrisch fahrenden Menschen inzwischen recht gut ausgebaut ist. Es geht noch besser, aber im Allgemeinen sind wir auf einem guten Weg.
Fazit: Elektrisch zu fahren macht einfach Spaß – solange es kein Tesla ist.
Ich bin auch nach dem Tesla-Abo bei der E-Mobilität geblieben. Was ich nun fahre, wie es dazu kam und wie der Alltag aussieht, das alles gibts im nächsten Artikel.