Camping mit dem Elektroauto - ein erster Test

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E-Mobilität und Camping - das scheint auf den ersten Blick völlig unmöglich. Vollelektrische Wohnmobile gibt es soweit ich weiß überhaupt keine und den meisten E-Autos fehlt es an zulässiger Anhängelast für einen richtigen Campinganhänger.

Aber zumindest bei den neueren E-Mobilen ist Besserung in Sicht: Während er BMW iX mit seinen 2,5t gebremster Anhängelast schon seit einiger Zeit auf dem Markt ist, ziehen KIA mit dem EV9, BMW mit i5 und i7 und NIO mit den 7er Modellen nach. Auch Teslas Model X, der Polestar 3 und der Volvo EX90 dürfen mittlerweile 2t oder mehr ziehen.

Für meinen Caravan mit einer Last von maximal 1.550kg ist der iX also mehr als ausreichend. Aber was bewirkt der Anhänger bezüglich Fahrverhalten und Verbrauch? Vor dem ersten Camping-Urlaub wollte ich es zumindest mal ausprobiert haben. Die Gelegenheit ergab sich, als unser Hobby für Garantie-Nacharbeiten zum Händler musste. Caravan Wendt in Kremmin ist 83km entfernt, davon 45km Autobahn. Ein guter Mix, finde ich.

Das Problem beim Verbrauch ist die Effizienz des Elektroantriebs. Ausgerechnet einer der größten Vorteile elektrisch angetriebener Fahrzeuge wirkt sich im Anhängerbetrieb negativ aus? So absurd es klingt, genau so ist es. Denn wenn man aus der zur Verfügung stehenden Energie viel Leistung herausholt, wirken sich auch alle weiteren Faktoren deutlich aus. Auch ein Verbrenner verbraucht mit Anhänger deutlich mehr, beim Elektroauto geht aber oftmals gleich die Hälfte der Reichweite verloren, je nach Gewicht des Anhängers und seiner "Windschnittigkeit".

iX mit Hobby

Der iX mit seiner Höhe hat da gewisse Vorteile, steht doch der anhängende Caravan nicht mehr so stark im Wind. Zudem fährt man in die Werkstatt natürlich ohne Gasflaschen und ohne Gepäck. Der Camper war also vom Reisegewicht ein paar Kilogramm entfernt. Trotzdem gibt die Tour eine gewisse Richtung vor.

Da ich die ganze Geschichte überhaupt nicht einschätzen konnte, wurde der iX am Vorabend auf 100% geladen. Natürlich wird der Akku bei 83km auch mit Hänger nicht leergefahren. Aber wieviel ich wirklich brauche, das war mir völlig unklar.

Am Morgen des 22. August 2023 ging es los. Die Temperaturen lagen irgendwo bei 18°C und es war sonnig. Die B104 Richtung Schwerin war zwar gut gefüllt, es ergab sich aber ein flüssiges Dahingleiten mit dem Verkehr.

Auf der anschließenden Autobahnstrecke fand sich schnell ein LKW mit anständiger Geschwindigkeit von 92km/h, weshalb ich mich entschloss, mich an diesen ranzuhängen. Sowohl der Windschatten, als auch die nahezu optimale Geschwindigkeit sorgten dazu, dass sich für die Gesamtstrecke ein Durchschnittsverbrauch von 31,8kWh/100km. Das sind etwa 50% mehr, als ich im August ohne Anhänger normalerweise verbraucht habe.

Am Folgetag habe ich die gleiche Strecke ohne Anhänger bei ähnlichen Bedingungen mit einem Durchschnittsverbrauch von 20,9kWh/100km zurückgelegt, denn der Caravan möchte natürlich auch wieder nachhause. Diesmal fuhren wir ohne LKW und auf der Autobahn mit Tempomat auf 105km/h. Der Verbrauch lag noch einmal deutlich höher bei 38,4kWh/100km.

Nimmt man das Gewicht von Gasflaschen und Gepäck noch dazu, dürfte der ADAC mit seiner Schätzung, dass sich der Verbrauch mit Campinganhänger verdoppelt, ungefähr richtig liegen. Dementsprechend halbiert sich die Reichweite. Das für sich genommen ist nicht besonders schön, aber man kann sich darauf einstellen. In aller Regel ist man ja im Urlaubsmodus, wenn man mit Camper unterwegs ist. In einem Ritt von Norddeutschland in die Toskana wird schwierig, aber das wäre auch mit einem Verbrenner mit Anhänger nicht meins, schliesslich darf man auch damit nur maximal 100km/h fahren.

Eine Sache macht die Campingtour mit dem E-Auto aber wirklich anstrengend: Es gibt kaum Ladesäulen, die man mit Anhänger anfahren kann, da die Ladesäulen in der Regel an der Stirnseite von normalen Parklücken stehen. Eine rühmliche Ausnahme machen da viele Ladesäulen des holländischen (ja klar ;-) ) Anbieters FastNed. Dort sind die Ladeparks oftmals wie Tankstellen als Durchfahrt-Station gebaut, sodass der Anhänger am Fahrzeug bleiben kann. Alternativ bleibt dann leider oft nur das Abkoppeln.

Wie das in anderen Ländern aussieht, werde ich in den nächsten Tagen berichten, denn es geht - elektrisch, aber ohne Camping-Anhänger - über Luxemburg und Frankreich bis nach Spanien. Ich werde berichten.

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